Isar / neue Boots-Verordnung   schließen

BKV-Petition an den Bayerischen Landtag vom 6.8.2019 öffnen

BKV-Petition an den Bayerischen Landtag vom 6.8.2019schließen

Auf Grundlage der Online-Petition des BKV vom 21. April 2019 und mit Unterstützung von Landtagsabgeordneten wurde beim Bayerischen Landtag ein Petitionsverfahren zur Isar-Verordnung des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen vom 18.04.2019 eröffnet. Mit Schreiben vom 06.08.2019 hat der BKV dem Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags seine offizielle Stellungnahme zum Verfahren zukommen lassen.

In dem Schreiben wird festgestellt, dass es keine belastbare Beründung der in der Verordnung festgelegten Befahrungssperrung in der Zeit von Oktober bis Juni eines jeden Jahres gibt. Der Bayerische Landtag wird gebeten, die Sinnhaftigkeit, Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit der Isar-Bootsverordung zu prüfen und sich bei der Bayerischen Staatsregierung sowie den nachgeordneten Behörden für die sofortiger Aussetzung der saisonalen Fahrverbote einzusetzen.

Download der Petition

Leserbriefe zur Pressekonferenz des Landratsamtes vom 15. Juli 2019 öffnen

Leserbriefe zur Pressekonferenz des Landratsamtes am 15. Juli 2019 schließen


Leserbrief an den Münchner Merkur zu:
Neue Regeln für Bootsfahrer: Weniger Lärm, weniger Alkohol und "die Isar sagt Danke"
vom 15.07.2019

Den Wochentag für einen Pressetermin an der Isar zur Demonstration der Wirkung der neuen Befahrungsverordnung hatte Landrat Josef Niedermaier gut gewählt: Montag. An einem sonnigen Samstagnachmittag wären angesichts der vorbeiziehenden Schlauchboote die markigen Erfolgsnachrichten sicherlich nicht ganz so überzeugend gewesen. Für unsere Isar wünschen wir uns alle sehr, dass es zutreffend ist, wenn er sagt: "Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg".

Aber er hat auch etwas gesagt, dem ich als Mitglied in einem Kanu-Verein widersprechen muss. Er hat gesagt, dass es nicht das Ziel des Regelwerks sei, jemanden aus der Natur auszusperren. Genau das jedoch tut ein Teil des Regelwerks, wenn es umweltbewussten und und sich für die natürliche Erhaltung unserer Flüsse einsetzenden Wanderpaddlern in den Kanu-Vereinen die Befahrung in der Zeit von Mitte Oktober bis Ende Mai untersagt. In einem Gespräch mit Vertretern des Bayerischen Kanu-Verbands wurde als Begründung die Bedrohung der Existenz des Huchen, einer Isar-typischen Raubfischart angeführt. Wanderpaddler fangen keine Huchen. Und dass Huchen sich in der Laichzeit durch ein paar Wanderpaddler der ortsansässigen Kanu-Clubs gestört fühlen könnten, ist eine durch nichts nachgewiesene Behauptung.

Eine tragfähige sachliche Begründung für die Aussperrung der in Klubs organisierten Wanderpaddler von Mitte Oktober bis Mai gibt es nicht. Damit trifft dieser Teil der Verordnung gerade diejenigen, um die es angeblich gar nicht geht. Denn Wanderpaddler aus den Kanu-Vereinen fahren nicht in Schlauchbootkolonnen, führen keine Alkoholvorräte bei sich, landen nicht an Kiesbänken an und brauchen auch keine Jukebox, um den Genuss der Natur zu übertönen. Und die Schlauchbootfahrer, um es in der Verordnung eigentlich gehen soll, waren bisher in der Zeit von Oktober bis Mai wirklich nur ganz selten anzutreffen.

Jürgen Schneider
Ressortleiter Öffentlichkeitsarbeit im Bayerischen Kanu-Verband e.V.


Leserbrief an den Münchner Merkur zu:
Neue Regeln für Bootsfahrer: Weniger Lärm, weniger Alkohol und "die Isar sagt Danke"
vom 15.07.2019

Es ist seit Beginn der neuen Bootfahrt-Saison am 1. Juni zweifellos "entspannter" geworden gegenüber früher, aber nicht wegen der Verordnung, sondern aus einem ganz anderen Grund: In der ersten Junihälfte war Hochwasser und danach längere Zeit Schlechtwetter. Nach dem Hochwasser wurde wegen einer beschädigten Dükerleitung bei Ascholding die Strecke Einöd - Puppling gesperrt (und sie ist immer noch gesperrt). Infolge der Sperrung blieben nur noch die für eine Tagesfahrt zu kurzen 10 km-Abschnitte Tölz - Einöd sowie Puppling - Schäftlarn übrig. (Die Alternative Icking - München ist dementsprechend stark frequentiert, aber wegen des Zuganges Icking nur für Schlauchbootfahrer nutzbar.)

Ursächlich für den geringen Bootverkehr zwischen Tölz und Schäftlarn ist die Sperrung der Strecke Einöd - Puppling. Sie wurde begründet mit einer durch das Hochwasser entstandenen "Gefahr durch im Wasser befindliche Kabel- und Rohr-Reste" bei Ascholding. Die Rohre sind immer noch im Wasser und lassen zwei breite Durchfahrten ohne jegliche Gefahr. Die "Gefahr" ist im Vergleich zu anderen typischen Gefahren mit Engstellen/Kurven/Baumhindernisse etc. geradezu lächerlich. Aber sie ist offensichtlich ein willkommener Grund für ein möglichst lange aufrechtzuerhaltendes Fahrverbot genau in der Mitte zwischen Tölz und Schäftlarn. So kann der Öffentlichkeit eine deutlich weniger frequentierte und beruhigte Isar vorgegauckelt werden. Daß "niemand aus der Natur ausgesperrt werden soll" ist angesichts dieser sachlich und zeitlich überzogenen Sperrung ein unglaubwürdiges Lippenbekenntnis.

"Vor dem 1. Juni waren nicht viele unterwegs" stellt der Landrat zutreffend fest. Das war schon vor der Verordnung so, weil im Winterhalbjahr wegen der Wassertemperatur in Verbindung mit noch unbekannten schwierigeren Stellen nur geübte Kanuten fahren. Auch gibt es nur wenige Wochenend-Tage mit geeignetem Wetter und ausreichendem Wasserstand. Seit Jahrzehnten fahren Kanuten (i.e. Kajak / Kanu) auch in dieser Zeit auf der Isar, verhalten sich umweltbewußt und naturvertäglich und setzen sich über Ihre Verbände für den Erhalt unserer Flüsse ein. Diese wenigen Kanus und Kajaks (und so gut wie keine Schlauchboote) stellen für die Natur keine Beeinträchtigung dar. Aber nur sie werden vom Fahrverbot Mitte Oktober bzw. Anfang Januar bis Ende Mai getroffen. Nur ihnen wird das in der Verfassung garantierte Grundrecht auf Befahren der Gewässer [141 (3) 1] entzogen, obwohl sie nicht die Ursache der gegenwärtigen Probleme sind. Die Problemverursacher Bade- und Schlauchboote werden nicht davon berührt, sie fahren nicht in dieser Zeit.

Christian Löhnert


Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung zu:
Bootfahrverordnung: Die Ruhe nach dem Aufschrei
vom 15.07.2019

Das ist doch eine herzige Geschichte. Nach der jahrelangen Entwicklung der Isar zur sommerlichen Party-Zone schreibt das Landratsamt eine Verordnung für die Bootfahrer und schon wendet sich alles zum Besseren. Plötzlich lauschen die bisherigen Chaoten den Ermahnungen der Isarranger, zeigen Verständnis, bedanken sich und geloben Besserung. Hätte man die mickrige Zahl der Isarranger dann nicht schon vor Jahren auf ein wirksameres Niveau heben können ?

Auch die Zahl der Boote sei zurückgegangen. Der Landrat hat dabei pfiffigerweise den wahren Grund verschwiegen: ein "glücklicher Zufall" zerstörte eine Leitungsunterquerung bei Ascholding und schon konnte man wegen der davon ausgehenden "Gefahr" das Mittelstück zwischen Tölz und Schäftlarn für den Bootsverkehr sperren. Die restlich verbliebenen nur 10 km langen Teilstrecken Tölz - Einöd und Puppling - Schäftlarn sind zu kurz für eine Tagestour, zumindest für die das Verbot befolgenden Bootfahrer. Und schon sind es viel weniger Boote. Von "Gefahrstelle" kann bei dieser Stelle übrigens keine Rede sein, es ragen links und rechts dünne Kunststoffrohre ins Wasser und kaum jemand nimmt Notiz davon. Die natürlichen Baum- und Strauchhindernisse in Kurven mit Strömung sind weitaus markanter. So einfach also kann man das jahreszeitliche Fahrverbot über den Sommer hinaus ausdehnen und damit der Öffentlichkeit die "Wirksamkeit" der Verordnung vorgaukeln. Nebenbei: ein wenig außer acht bleibt, daß der überbordende Partybetrieb nur an heißen Wochenendtagen und nur im Juli und August stattfindet.

Das jahreszeitliche Fahrverbot von Oktober bzw. Januar bis Mai hat keinen Zusammenhang mit der massiven sommerlichen Übernutzung durch Badeboote und dem damit verbundenen individuellen Fehlverhalten. Es ist willkürlich und ein ungerechtfertigtes "Geschenk an die Angler". In diesen Jahreszeiten waren in den vergangenen Jahrzehnten wegen der Kombination "schwierige Stellen / kaltes Wasser" immer schon nur geübte Kanuten mit geeigneten Booten und geeigneter Ausrüstung unterwegs. Dies meist nur am Samstag/Sonntag, nur an den wenigen Schönwettertagen und auch dann nur in sehr geringer Zahl. Ausgerechnet den umweltbewussten und sich über ihren Verband für die natürliche Erhaltung unserer Flüsse einsetzenden Wanderpaddlern entzieht man grundlos ihr verfassungsmäßiges Recht "auf das Befahren der Gewässer", obwohl sie stets das ebenfalls in der Verfassung gegebene Gebot "zum pfleglichen Umgang mit Natur und Landschaft" befolgt haben.

Christian Löhnert

Schreiben an das Landratsamt wegen Fahrverbot Einöd - Puppling vom 8. Juli 2019öffnen

Schreiben an das Landratsamt wegen Fahrverbot Einöd - Puppling vom 8. Juli 2019 schließen

Sehr geehrte Frau Breiter
Sehr geehrter Herr Landrat Niedermeier

Seit einem Monat ist zwischen Einöd und Puppling das Befahren der Isar wegen einer "Gefahrenstelle" durch beschädigte Dükerrohre bei Ascholding, Flußkilometer 182,67 verboten. Nun hatte auch ich als betroffener Kanute Gelegenheit, am Samstag, 6. Juli diese Stelle von Land aus zu besichtigen.

Es war ein friedlicher Anblick, wie das Bild unten zeigt. Die Isar fließt hier geradlinig und ruhig, die beiden flexiblen Rohrenden wippen in Ufernähe stromabwärts gerichtet ein wenig im fließenden Wasser, Kinder lassen sich an dieser Stelle durchs Wasser treiben und halten sich an den Rohr-Enden fest, Schlauchboote fahren durch und weder geübte noch ungeübte Bootfahrer verstehen, dass dies eine "gefährliche Stelle" sein solle. So sieht es wohl auch insgeheim das Landratsamt, sonst hätte es die Badenden vor Gefahr bewahrt und nicht nur wieder mal die Bootfahrer. Also kein Gefahrenmonster, das die unglaublich willkürliche Aussetzung eines Grundrechtes rechtfertig.

Zur Gefahr: In keiner Weise ist diese unproblematische Stelle vergleichbar mit manchmal für ungeübte Bootfahrer tatsächlich gefährlichen Stellen mit Baumhindernissen in Verbindung mit starkem Stromzug und Wasserdruck unter das Hindernis hinein. Sie sind für einen Wildfluss wie die Isar typisch, kanusportlich reizvoll und für geübte Kanuten problemlos zu umfahren. Wegen solcher Stellen ist die Isar zwar für ungeübte Badebootfahrer gänzlich ungeeignet, für geübte Kanuten jedoch ein wunderbarer, leichter Wildfluss. Sperrungen wegen solcher Stellen sind nicht gerechtfertigt. (Mountainbike-Trails werden auch nicht gesperrt, weil Leute mit einem normalen Fahrrad hinunterfahren könnten.)

Zur Akzeptanz: Am selben Tag, auf der Kanufahrt von Tölz nach Einöd, kamen innerhalb einer einstündigen Rast kurz vor Einöd 10 Schlauch-/Badeboote vorbei. In Einöd gab es keine Anzeichen dafür, daß hier Boote ihre Fahrt beendet hätten. Später in Puppling (Marienbrücke) kamen jedoch im 7-Minuten-Takt Boote an bzw. fuhren durch. Es waren keine verbandsorganisiertem Kanuten dabei (ich habe einen Blick dafür) und es scheint, dass sich nur organisierte Kanuten dem Verbot beugen. Die meisten befragten Schlauchbootfahrer hatten gar keine Kenntnis von einem Verbot oder setzen sich aus naheliegendem Grund darüber hinweg.


Seit einem Monat ist nun zwischen Einöd und Puppling das Befahren der Isar verboten, ohne dass die Schadensstelle auch nur annähernd gefährlich wäre und ohne erkennbare Aussicht auf Beendigung des überzogenen Verbotes. Versuchen Sie hier, das in in der Bayerischen Verfassung verankertes Grundrecht auf Befahren der Flüsse mit einer fadenscheinigen Begründung über den Sommer hinweg auszuhebeln, sozusagen als willkommene "Ergänzung" zum generellen Befahrungsverbot von Januar bis Mai?

Ich bitte Sie dringend, das willkürliche Befahrungsverbot zwischen Einöd und Puppling endlich aufzuheben.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Löhnert

Anmerkung 1:
Das Schreiben war ein Einschreiben und ist sicherlich angekommen. Das Landratsamt hat darauf nicht geantwortet.
Anmerkung 2:
Das Befahrungsverbot wurde am 4. September aufgehoben.



Online-Petition des Bayerischen Kanuverbandes vom 21. April 2019 öffnen

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➔ zur Online-Petition des Bayerischen Kanuverbandes
" ... Trotzdem wird mit der Verordnung ausgerechnet denen pauschal für 2/3 des Jahres ihr Grundrecht nach Artikel 141 Absatz 3 der Bayerischen Verfassung auf "Befahren der Gewässer" entzogen, welche die in der Verfassung dafür geforderte Verpflichtung "mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen" tatsächlich wahrnehmen! ... "

➔ Download Infoblatt des Bayerischen Kanuverbandes

Die historische Dimension dieser VerBOOTSordnung von Tölz - Mai 2019 öffnen

Die historische Dimension dieser VerBOOTSordnung von Tölz - Mai 2019schließen

Der Paddelsport auf der Isar hat eine sehr lange Tradition. Sie ist untrennbar verbunden mit der Geschichte des Faltbootes. Und diese begann vor über 100 Jahren im Tölzer Land. "Am 30. Mai 1905 zog der Architekturstudent Alfred Heurich im Kurort Bad Tölz ans Ufer der Isar. [. . .] Raus in die Natur, lautete die Devise der Großstädter. Paddler verstanden sich als Wasserwanderer." (Zeit Online vom 25.5.2005)

Kurz danach veröffentlichte Heurich zusammen mit C. A. Luther einen Kanuführer für die Isar und Loisach (Download Infoblatt). Es war der Beginn einer Ära des Flusswanderns, mit Strahlkraft in die ganze Welt. Heurich’s Boot ging kurz darauf bei der Rosenheimer Faltbootwerft Klepper in Serie und wurde weltweit über 250 000 Mal verkauft (mehr dazu bei Wikipedia). Und nur wenig später wurde auch in Bad Tölz eine maßgebliche Faltbootwerft gegründet (Süddeutsche Zeitung vom 17.8.2016). "Fast jede Tölzer Familie hatte so ein Faltboot aus der ortsansässigen Werft" (BR-Fernsehen vom 13.6.2015).

Paddler "aus dem gleichen Holz", die Enkel und Enkelinnen dieser Gründerväter, sind auch heute noch in eben diesem Geist auf der Isar unterwegs. Und genau dieser wichtige Unterschied zur Party-Meile "Isar" ist der Kern- und Angelpunkt der aktuellen Diskussion zum Bootsbetrieb auf der Isar. Wir Paddelsportler haben auf der Isar aber auch so überhaupt nichts mit Lärm, Alkohol und Müll am Hut. Und wollen einfach nur wieder zurück auf unser "angestammtes" Paddelrevier. Mit Rücksicht und Augenmaß, unter Erhaltung dessen, was uns Freude macht. Einige wenige Male im Jahr, für einige wenige Stunden auf die Isar. Egal bei welchem Wetter – zu jeder Jahreszeit.

Diese VerBOOTSordnung macht dieser langen Tradition jedoch ein abruptes Ende. Dreiviertel vom Jahr sollen wir nun ausgesperrt werden und während des verbleibenden Viertels (im Sommer) ist die Freude an der Natur getrübt - wegen des Party-Rummels.

Carsten Iwers
 

Kommentar zur Bootsverordnung - Mai 2019öffnen

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"Isar-Boots-Verordung hilft weder Fischen noch Vögeln"
(in Teilen auch als Leserbriefe an die Süddeutsche Zeitung und an den Merkur)

Das Landratsamt Bad Tölz/Wolfratshausen will mit einer neuen Bootverordnung das ausgeuferte Partygeschehen mit Schlauchbooten auf der Isar eindämmen. Neben etlichen Verhaltens-Vorgaben, die für traditionelle Kajak- und Kanufahrer seit jeher selbstverständlich sind, wurde auch ein jahreszeitliches Fahrverbot pauschal für alle Boots-Nutzungen verfügt.

Manche Medienberichte suggerieren (und manche Naturschützer frohlocken darüber), mit der neuen Tölzer Isar-Verordnung würden die momentan zweifellos unhaltbaren Zustände verbessert. In der Realität wird sich jedoch nichts ändern, da die Ursachen der Party-Auswüchse in der Verordnung definitiv ausgeblendet bleiben.

Die große Zahl von Party-Gaudi-Schlauchbootfahrern wird gleich bleiben oder weiter steigen. Es sind weiterhin meist Leute ohne minimale Erfahrung und Übung im Befahren eines Wildflusses, mit unzureichender Ausrüstung (Boot, Paddel, Schwimmwesten, Kleidung), mit hoher Party-Gaudi-Erwartung, ohne Kenntnis von Wasserstand + Strömung + aktueller Gefahrenlage und ohne Rücksicht auf die Natur. Auch die Zahl der Einsätze zur Rettung völlig ahnungsloser Schlauchbootfahrer aus lebensbedrohlichen Situationen wird gleich bleiben oder steigen (ist doch eine Riesen-Gaudi und wenn was nicht klappt, kommt der Helikopter). Auch wenn jetzt weniger Leute Bierkästen nachschleppen, das eine oder andere Kind Schwimmwesten trägt, weniger Leute besoffen sind, weniger "Lagerfeuer" gemacht werden..., der Party-Rummel wird bleiben. Was ein "für die Isar geeignetes Wasserfahrzeug" und was "eine an die jeweiligen Gegebenheiten angepasste Fahrweise" ist, wird ein Geheimnis des Landratsamtes bleiben. Einem großen Teil der Partyboot-People wird die Verordnung sowieso egal sein. Sie wissen, dass sich kaum etwas wirksam kontrollieren geschweige denn wirksam durchsetzen lässt. Kein Isarranger wird einem Boot nachschwimmen und ohne polizeiliche Befugnisse ist er bei der Alkoholkontrolle hilflos.

An Land - außerhalb der Bootsverordnung - wird sich erst recht nichts ändern: dicht bevölkerte Kiesufer mit Hunderten von Sonnenbadern, Spaziergängern, Joggern, Radfahrern, angeleinten und freilaufenden Hunden, zurückgelassenem Müll, Lagerfeuerresten, Sonnencreme-Eintrag ins Wasser usw. Und das auch in der für Bootfahrer wegen "Naturschutz" und "Vogelbrut" gesperrten Zeit. Zur Erinnerung: Die Vogelbrut findet an Land statt und nicht auf dem Wasser.

Es wird sich auch nichts ändern an den gravierenden Störeinflüssen aus landwirtschaftlichen und kommunalen Schadstoffeinträgen, an veränderten bzw. fehlenden Nahrungsgrundlagen (immer weniger Insekten), an Fressfeinden und Verdrängungseffekten, an den für Fische unüberwindlichen Querbauwerken, an unzureichender Geschiebedynamik und damit unzureichenden Laichflächen, an zu wenig Mindestrestwasser nach den Ableitungen, am Schadstoff-Eintrag durch Stauraumspülungen usw. Schade, daß die tödliche Viruserkrankung der Bachforelle bekannt wurde, sonst könnte man deren Aussterben auch den Bootfahrern in die Schuhe schieben.

Das alles bleibt unberücksichtigt. Stattdessen stellt man Angler, Vogelschützer, Naturschützer mit einem nutzlosen jahreszeitlichen Befahrungsverbot ruhig. In der kühlen Jahreszeit fahren nur sehr wenige Kanus und das auch nur bei gutem Wetter. Das Partyvolk wird durch die Kombination "kaltes Wasser, kalte Luft, schwierige Stellen" wirksam abgehalten. Das Aussperren eines bisher unbewiesenen und allenfalls minimalen "Störfaktors Kanu" ist gegenüber der Öffentlichkeit ein bequemer, wenn auch blinder und nutzloser Aktionismus.
Den zahlenmäßig sehr wenigen Kanufahrern (Kajak und Canadier), die sich seit über 100 Jahren korrekt und ruhig verhalten, die Stille und Natur suchen und für den Wildfluss Isar geübt und ausgerüstet sind wird ein Fahrverbot auferlegt - pfiffigerweise genau in der Zeit, in der die Isar-Party-Leute ohnehin nicht fahren.
Das hilft weder Fisch noch Vogel und das sollten eigentlich selbst Angler und Vogelschützer erkennen.

Mit dem jahreszeitlichen Fahrverbot von November bis Mai sind die traditionellen Kanufahrer ein in der Sache wirkungsloses Bauernopfer an die Angler und Vogelschützer, während der Sommer-Party-Rummel der Schlauchbootfahrer im Wesentlichen unangetastet bleibt. Mit großer Zielgenauigkeit wurde exakt die Nutzergruppe abgestraft, die am kleinsten ist und am wenigsten an der Misere schuld ist.

Es wurde nie eine aussagekräftige, neutrale Bootszählung durchgeführt unter Einbeziehung von Jahreszeiten, Schlechtwetterzeiten, Wochentagen und Bootsarten. Konsequent läßt das Landratsamt das völlig unterschiedliche Verhalten von Party-Gaudi-Schlauchbootfahrern und traditionellen Kanufahrern außer Acht. Nichts wurde wissenschaftlich oder wenigstens sachlich untersucht und solide begründet. Das einzige wissenschaftliche Gutachten - zwar schon vor 20 Jahren erstellt - bestätigte die gegenüber anderen Störfaktoren wie Badegästen oder Hunden geringe Störwirkung der Kanus. Es wurde vom Landratsamt ebenso ignoriert wie alle sachlichen Argumente des Bayerischen Kanu-Verbandes.

Die Bayerische Verfassung gäbe es eigentlich klar und verpflichtend vor:
Art 141 (3) 1 Der Genuß der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere [...] das Befahren der Gewässer [...] ist jedermann gestattet. 2 Dabei ist jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen. Trotzdem wird mit der Verordnung ohne Begründung ausgerechnet denen pauschal für 2/3 des Jahres ihr Grundrecht nach Artikel 141 Absatz 3 der Bayerischen Verfassung auf "Befahren der Gewässer" entzogen, welche die in der Verfassung dafür geforderte Verpflichtung "mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen" tatsächlich wahrnehmen!

Fazit:
Die Boots-Verordnung ist in großen Teilen unwirksam und sachfremd. Bezüglich der jahreszeitlichen Sperrung ist sie willkürlich und unverhältnismäßig und verstößt somit sogar gegen die bayerischen Verfassung.

Christian Löhnert

Stellungnahme des Bayerischen Kanuverbandes zum Entwurf und Verordnung des LRA vom 18. April 2019 öffnen

Stellungnahme des Bayerischen Kanuverbandes zum Entwurf und Verordnung des LRAschließen

➔ Download Stellungnahme des Bayerische Kanuverbandes zum Verordnungs-Entwurf vom 27. Januar 2019
➔ Download Verordnung des Landratsamtes vom 18. April 2019

Danke, ihr Party-Badeboot-Chaoten ... öffnen

Danke, ihr Party-Badeboot-Chaoten ... schließen

Ab sofort darf die Isar nur noch befahren werden ...
... im Abschnitt Landkreisgrenze km 244,15 (nach Wallgau) - Bad Tölz vom 1. Juni bis 15. Okt.
... im Abschnitt Bad Tölz - Schäftlarn vom 1. Juni. bis 31. Dezember).
(... ab Schäftlarn ganzjährig)

Danke, ihr Party-Badeboot-Chaoten
Ihr habt es geschafft dank Eurer agressiven Art, die Isar zum Rummelplatz zu machen.
Euch stört auch das Fahrverbot von Oktober bis Mai nicht, denn Ihr mißbraucht diesen wunderschönen Naturfluß ja nur von Juni bis September. 

... und danke, Landrat Niedermeier
Sie haben das Problem ganz toll gelöst: Der Party-Badeboot-Rummel im Juli und August kann weitergehen und wird durch das Fahrverbot von Oktober bis Mai nicht beeinträchtigt. Am Rummel an Land wird sich sowieso nichts ändern ... wollten Sie nicht die Natur schützen? Mit der Verordnung unterm Arm werden jetzt sicherlich alle Partygänger stille Naturgenießer.
Die schon seit 100 Jahren immer verantwortungsbewußten, naturverträglich fahrenden und wenigen Kajak- und Kanufahrer haben das Problem gewiß nicht verursacht, werden aber von Ihnen durch das zeitliche Befahrungsverbot zum Sündenbock gemacht. Alle fundierten Argumente und Vorschläge des Bayerischen Kanuverbandes haben Sie ignoriert.

Isar / neue Boots-Verordnung schließen